Rechte Homosexueller, Abtreibung, Gen Technik, etc.

  • Zitat

    Beginn des Selbsteigentums - Irgendwo habe ich auch mal folgendes gehört (weiß leider nicht mehr wo):


    Interessante Denkweise, aber höchstproblematisch. Das wäre die Rechtfertigung für Euthanasie oder evt. sogar Völkermord. Wer definiert denn, ab wann ein Lebewesen vernunftbegabt ist? Eine zentrale Instanz oder jedes Individuum für sich selbst? Wer also nicht ausdrücken kann, dass er Leben möchte, den dürfte man rechtlich gesehen umbringen. Außer sein Vormund wäre dagegen.


    Meine Sichtweise wäre die folgende: Axiom: Jedes menschliche Individuum hat ein Recht auf negative Freiheit und ist niemals Eigentum eines anderen menschlichen Individuums.


    Kann es sein Recht auf negative Freiheit nicht äußern, so bleibt dieses Recht selbstverständlich dennoch bestehen.


    Für die Abtreibungsfrage folgt daraus: Die Mutter ist Eigentümerin ihrer Eizelle, aber nicht ihres ungeboreren Kindes. In der Tat könnte man nun folgern, dass das Kind quasi unrechtmäßig eine "Wohnung" beansprucht, die der Mutter gehört. Allerdings kann man naturrechlich argumentieren, dass diese "Wohnung" speziell für das Kind existiert und quasi das Kind Miteigentümer ist. Das mag vielleicht nicht konsequent libertär sein aber im Zweifel ist für mich der Rausschmiss aus dem Mutterleib ein unrechtmäßiger Eingriff der die negative Freiheit des Kindes in Ruhe gelassen zu werden missachtet.

  • Hätte nicht gedacht, dass ich mich auf eine so abstrakte Ebene in diesem Thread begeben muss ;) Aber man muss die Grundlagen tatsächlich einmal so durchkauen um die eigene Weltanschauung zu hinterfragen aber letztendlich zu begründen.


    @ Thomas Stahl: Klar kommt es im Leben auch auf den emotionalen Standpunkt an, aber ich würde hier so argumentieren, dass Unrecht zwar Unrecht bleibt, aber eine moralische Bewertung auch in die Rechtssprechung miteinfließt. D.h. eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung bleibt zwar Unrecht gegenüber dem Kind, ist aber moralisch intuitiv nachvollziehbar und kann daher sehr milde bestraft werden. Das Recht an sich (legal oder illegal) muss aber klar und logisch definiert werden und darf sich nicht durch Emotionen beeinflussen lassen.

  • @ Thomas Stahl: Klar kommt es im Leben auch auf den emotionalen Standpunkt an, aber ich würde hier so argumentieren, dass Unrecht zwar Unrecht bleibt, aber eine moralische Bewertung auch in die Rechtssprechung miteinfließt. D.h. eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung bleibt zwar Unrecht gegenüber dem Kind, ist aber moralisch intuitiv nachvollziehbar und kann daher sehr milde bestraft werden. Das Recht an sich (legal oder illegal) muss aber klar und logisch definiert werden und darf sich nicht durch Emotionen beeinflussen lassen.

    Abstraktion ist ja schön und gut, aber wenn Sie eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung hart als Straftatbestand definieren wollen, flötet langsam bei mir die Linde. In der Umsetzung hieße das, eine schwer traumatisierte Frau auch noch einem Straftat- und zusätzlichem Ermittlungsverfahren unterziehen zu wollen. Und das nachdem es dem Rechtsstaat trotz Gewaltmonopol anscheinend nicht möglich war, die Schutzrechte der Betroffenen durchzusetzen und diese in einem anderen Strafprozeß schon genug Schwierigkeiten haben wird, ihr berechtigtes Interesse an der Bestrafung des Täters durchzusetzen. Da bin ich schon gespannt, ob man bei jedem augenscheinlich natürlich verursachter Fehl- und Totgeburt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung anstrengend möchte. Wenn wir ausschließlich die Schutzrechte des werdenden Kindes gelten lassen wollen und das auch noch mit staatlichen Zwangsmitteln, dann müssen wir wohl auch über Zwangseinweisungen von Schwangeren bis zur Entbindung sprechen. Deshalb sollten wir uns fragen, was denn hier eigentlich das Ziel sein soll. Von der Rolle des biologischen Vaters will ich gar nicht anfangen.


    Die §§218 und 218 StGb sind einer der wenigen gesetzlichen Regelungen, wo der Gesetzgeber eine Kompromisslösung geschaffen hat, die den Rechtsfrieden wahrt und die Abtreibung letztendlich (wohlgemerkt in einem zeitlich definierten Rahmen) als individuelle Gewissensentscheidung konstruiert. Als Liberaler, der möchte, dass sich der Staat aus alle möglichen Eigentums- und Abwehrrechte gegen sich gelten lässt, sehe ich überhaupt keinen Grund, an dieser Stelle etwas anderes regeln zu wollen.

  • @ Frau Marschner:


    Mir ging es darum, dass Recht konsequent definiert wird, unabhängig von emotionalen Befindlichkeiten. Wenn ein Ungeboreres ein Lebensrecht haben soll, dann hat es das unabhängig seiner Entstehung. Wie die Gesellschaft mit dem Recht umgeht ist wieder eine andere Frage, Rechtspositivismus lehne ich entschieden ab. Und noch konkret zur Vergewaltigung: Es gibt ja noch die Möglichkeit der Pille danach, die (meines Wissens nach) nach meiner Lebensdefinition absolut legal wäre.

  • @ Frau Marschner:


    Mir ging es darum, dass Recht konsequent definiert wird, unabhängig von emotionalen Befindlichkeiten. Wenn ein Ungeboreres ein Lebensrecht haben soll, dann hat es das unabhängig seiner Entstehung. Wie die Gesellschaft mit dem Recht umgeht ist wieder eine andere Frage, Rechtspositivismus lehne ich entschieden ab. Und noch konkret zur Vergewaltigung: Es gibt ja noch die Möglichkeit der Pille danach, die (meines Wissens nach) nach meiner Lebensdefinition absolut legal wäre.



    Wenn Sie Rechte konsequent definieren wollen, muss man die Schutz- und Abwehrrechte der Frau beachten. Wir haben es hier mit zwei konfligierenden Rechtssphären zu tun und als Liberaler kann man die Zweite eben nicht einfach ignorieren. Wenn der Embryo nach Ihrer Definition ein absolutes Lebensrecht haben soll, dann ist auch die Pille danach folglich ein illegaler Abbruch. Für diesen haben Sie, wenn ich Sie richtig verstanden habe, staatliche Sanktionierungsmaßnahmen gefordert. Anmerkung: Viele Verhütungsmittel verhindern die Einnistung einer Eizelle. Die Pille danach und auch die Anwendung anderer Verhütungsmethoden sind dagegen gegenwärtig kein Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGb.


    Randbemerkung: Man sollte auch unterscheiden zwischen der sog. "Pille danach" und der sog. "Abtreibungspille".


    Die bestehende Indikationslösung ist die Güterabwägung zwischen der berechtigten Interessen der betroffenen Frau bzw. des Paares und dem Lebensrecht des ungeborenen Kindes. Das Recht, über den eigenen Körper zu verfügen, hat auch nichts mit Rechtspositivismus zu tun, sondern ist ein liberales Grundrecht ersten Ranges. Kein Mensch ist das Eigentum des anderen und eine Schwangere auch nicht Eigentum der Rechtsgemeinschaft, die aus einem Vollständigkeitsbedürfnis heraus durchregeln möchte, weil sie den Kompromiss nicht aushält.


    In meinen Augen ist es also kein liberales Prinzip, um des Regelns willen zu regeln, eher im Gegenteil.


    Fazit: Ich sehe keinen Grund, gerade an dieser Stelle eine gute gesetzgeberische Lösung wieder aufzumachen.

  • Die Pille danach ist (zumindest lauf wiki) primär ein Ovulationshemmer, d.h. sie stellt nach meiner rechtlichen Betrachtungsweise überhaupt (so wie die normale Pille) kein Problem dar. Selbst wenn der Wirkungsmechanismus partiell nidationshemmend wirkt, so wird die negative Freiheit des Embryos dennoch gewahrt, denn eine aktive Abtreibung wäre etwas anderes. Insofern sind unsere beiden Standpunkte, Frau Marschner, vielleicht gar nicht so weit entfernt, und das ganze ist konform mit § 118,1. Falsch finde ich aber eine willkürliche Festlegung eines Datums, bis dahin eine Abtreibung vorgenommen werden darf, sowie die Bedingung eines Beratungsgespräches ( § 118a, vor allem Absatz 4). Straffreiheit in schwierigen Fällen gerne, aber Straffreiheit darf nicht automatisch Legalität bedeuten. (Vielleicht tut es das hier auch gar nicht, bin kein Jurist).

  • An den ganzen Detailbetrachtungen in der Lebensrealität merken Sie sicherlich schnell, welche Büchse der Pandora sich da öffnet. Rechtssicherheit bedeutet ja nicht zuletzt, dass Bürger durchschnittlicher Intelligenz und Auffassungsgabe verstehen können müssen, was der Gesetzgeber als rechtskonformes Handeln erwartet.


    Ich begrüße es grundsätzlich, dass der Gesetzgeber bei diesem Thema mal erkannt hat, dass höchstpersönliche Angelegenheiten einen Raum individueller Gewissensentscheidung erfordert. Im Übrigen habe ich persönlich die Haltung einiger Libertärer nie verstanden, den Minimalstaat zu fordern, aber gerade Schwangerschaftsabbrüche mit maximalen staatlichen Zwangsmitteln sanktionieren zu wollen. Ist für mich ein innerer Widerspruch.
    Ich denke, ich habe zu diesem Thema meinen Punkt gemacht.

  • Zitat

    Im Übrigen habe ich persönlich die Haltung einiger Libertärer nie
    verstanden, den Minimalstaat zu fordern, aber gerade
    Schwangerschaftsabbrüche mit maximalen staatlichen Zwangsmitteln
    sanktionieren zu wollen. Ist für mich ein innerer Widerspruch.

    Für diese Libertäre (darunter bin auch ich) hat ein schlanker Staat (evt auch kleinere politische Einheit) die Aufgabe eine grundlegende Rechtsordnung zu formulieren, die die Freiheitsrechte eines jeden Menschen definiert, dazu gehört dann aus deren Sicht auch das ungeborene menschliche Leben. Niemand hat das Recht, seine Freiheit auf Kosten eines anderen Menschen auszuleben. Ob auch der Staat diese Rechtsordnung durchsetzt oder private Firmen im Auftrag des Staates wird von Libertären sicherlich unterschiedlich gesehen. Zumindest ich halte eine staatliche Justiz und Polizei für nicht so schlecht, lasse mich aber gerne auch von alternativen Konzepten inspirieren.

  • Für diese Libertäre (darunter bin auch ich) hat ein schlanker Staat (evt auch kleinere politische Einheit) die Aufgabe eine grundlegende Rechtsordnung zu formulieren, die die Freiheitsrechte eines jeden Menschen definiert, dazu gehört dann aus deren Sicht auch das ungeborene menschliche Leben. Niemand hat das Recht, seine Freiheit auf Kosten eines anderen Menschen auszuleben. Ob auch der Staat diese Rechtsordnung durchsetzt oder private Firmen im Auftrag des Staates wird von Libertären sicherlich unterschiedlich gesehen. Zumindest ich halte eine staatliche Justiz und Polizei für nicht so schlecht, lasse mich aber gerne auch von alternativen Konzepten inspirieren.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ja, aber eben auch die Selbsteigentumsrechte der Frauen. Deshalb wurde zu Recht bereits auf Murray Rothbard verwiesen. In dieser speziellen Frage versteht sich der Begriff "Mensch" im Übrigen nicht von selbst. Um es nochmal zu verdeutlichen: Es geht nicht darum, ob Schwangerschaftsabbrüche gut oder schlecht sind, sondern es geht darum eine Kompromisslösung für einen Rechtskonflikt zu ermöglichen, der biologisch determiniert ist.


    Ihre Haltung führt in der Realität zu solchen Situationen:


    http://www.taz.de/Katholische-…haeuser-in-Koeln/!109188/

  • Zitat

    Rechtskonflikt

    Wenn man das ungeborere Kind nicht als Eigentum der Mutter auffasst, gibt es, wie ich finde, keinen Rechtskonflikt. Dann hört die Freiheit der Mutter dort auf, wo die Freiheit des Kindes beginnt.


    Und wenn man knallhart das Ungeborene als Selbsteigentum der Mutter, quasi als Wesen ohne Freiheitsrechte, auffasst, dann besteht auch kein Rechtskonflikt, denn dann wäre Abtreibung grundsätzlich legal.


    Es besteht also nur ein Konflikt verschiedener Sichtweisen. Demzufolge hat die pdv gesagt, keine Meinung dazu zu besitzen.


    Zitat

    Ihre Haltung führt in der Realität zu solchen Situationen:

    "Führt zu" lasse ich nicht gelten. Rechtlich gesehen kann ein privates (in dem Fall mehr oder weniger privat nehme ich mal an) Krankenhaus jeden abweisen, aus libertärer Sicht versteht sich. Aus christlicher/katholischer/menschlicher Sicht sollte man eine solche Frau sicherlich nicht abweisen, aber die Verabreichung einer "Pille danach" wird im (konsequenten) Katholizismus nunmal kritisch gesehen, was völlig legitim ist. Meine Rechtsordnung ist allerdings etwas liberaler, allerdings bin ich im Vergleich sicherlich eher auf Kirchenseite (=konservativ) als auf der Seite von Alt-68-Feministinnen(=links), die zum Teil fast schon stolz auf Abtreibungen sind.
    Mit der Kirche wäre ich z.B. in diesem Punkt einer Meinung.
    Ein Beratungsgespräch mit der Option einer Abtreibung macht keinen Sinn, weil diese Option ohnehin abgelehnt wird.

  • Es ist legitim, dass die katholische Kirche im Sinne der Meinungsfreiheit für ihre Haltung wirbt, ihre Haltung selbst ist es nicht. Sie ist weder liberal noch libertär: Sie ist dogmatisch, weshalb ihre christliche Fürsorge häufig dem Prinzip der Verantwortungslosigkeit folgt. In diesem speziellen Fall ist das Verhalten des Krankenhauses noch weniger legitim, da es sich aus staatlichen Mitteln und nicht aus der Kirchensteuer finanziert.


    Nur noch eine Anmerkung zum Schluß: Liberale und Libertäre sind keine Nihilisten, auch in einer liberalen Welt kann ein Arzt sich nicht verhalten, wie es ihm grad gefällt. In einer liberalen Welt betreibt der Staat bloß keine Zwangsgeburten.

  • Nur noch eine Anmerkung zum Schluß: Liberale und Libertäre sind keine Nihilisten, auch in einer liberalen Welt kann ein Arzt sich nicht verhalten, wie es ihm grad gefällt. In einer liberalen Welt betreibt der Staat bloß keine Zwangsgeburten.


    Ein Arzt kann in einer libertären Welt machen was er will, solange er nicht die negative Freiheit eines anderen einschränkt. Er muss also z.B. keine Pille danach (die gäbe es in einer libertären Welt vermutlich sowieso rezeptfrei) verabreichen, ja er kann sogar dabei zusehen, wie ein Opfer am Straßenrand verblutet. Letzteres ist moralisch natürlich extremst verwerflich, und kaum ein Arzt würde das tun, weil sein Ruf damit zurecht komplett zerstört wäre und er vermutlich auch gegen einen Vertrag verstoßen würde, den er nach seinem Studium abgeschlossen hat. Aber im Libertarismus wird Recht nunmal streng von Moral getrennt.


    Richtig, Libertäre sind keine Nihilisten, das bedeutet einerseits dass sie auch Moralvorstellungen haben, die das Recht vollenden bzw. ergänzen, und andererseits dass sie an Grundaxiome glauben, die Grundlage des Rechts sind.


    Frau Marschner, eines habe ich noch nicht verstanden: Warum Sie einen Rechtskonflikt erkannt haben wollen. Kann ein menschliches Leben (falls Sie ein Ungeboreres als solches bezeichnen, ansonsten ist die Frage hinfällig) so wenig wert sein, dass man es aufgrund niedrigerer Beweggründe (Mutter nicht in Lebensgefahr) opfern darf?

  • Björn, du hast dich sicher schon in die Materie recht gut eingelesen. Aber alleine dass du das Beispiel eines Arztes, der einen Verletzten liegen lassen kann, bringst, zeugt meiner Meinung nach davon, dass du zwar einerseits die Theorie gut verstanden hast, andererseits aber doch den Libertarismus nicht vollständig vertrittst.


    Natürlich wird ein Arzt, der den Eid geschworen hat, niemanden liegen lassen. Das hast du ja selbst schon richtig beantwortet, moralisch und aus konsequent logischer Sicht.


    Menschen handeln (auch heute) größtenteils moralisch. In einer freien Welt noch viel mehr. Moral hält eine Gruppe von Menschen (Familie,Gemeinde etc) erst zusammen. Je mehr Freiheit man den Menschen gibt, desto selbstverantwortlicher (auch im moralischen Sinn) werden sie ihr Leben führen.


    Ich glaube, du machst dir zuviele Gedanken. In einer freien Gesellschaft, davon gehe ich zumindest aus, wird es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit viel weniger Abtreibungen geben als heute.

  • Zitat

    Björn, du hast dich sicher schon in die Materie recht gut eingelesen.
    Aber alleine dass du das Beispiel eines Arztes, der einen Verletzten
    liegen lassen kann, bringst, zeugt meiner Meinung nach davon, dass du
    zwar einerseits die Theorie gut verstanden hast, andererseits aber doch
    den Libertarismus nicht vollständig vertrittst.

    Es kommt wohl eher nicht so gut an, dass ich den Libertarismus mit Extrembeispielen erkläre. Aber eine Weltanschauung/Denkrichtung kann man immer am besten erklären, wenn man sie an Extrembeispielen erklärt, denn so stößt man zum Kern des Problems vor. Schon klar, dass das für die Außendarstellung wenig förderlich ist, der Libertarismus soll ja immer ganz sympathisch und nett rüberkommen (ist er ja auch :) ) aber man muss erstmal die knallharten Grundlagen der Denkrichtung anerkennen um daraus dann ein vernünftiges Gesellschaftsmodell abzuleiten; und dieses - da stimmen wir vollkommen überein - ist durch Recht und(!) Moral bestimmt.


    Zitat

    Ich glaube, du machst dir zuviele Gedanken. In einer freien
    Gesellschaft, davon gehe ich zumindest aus, wird es mit ziemlicher
    Wahrscheinlichkeit viel weniger Abtreibungen geben als heute.

    Zu viele Gedanken kann man sich fast nicht machen ;) Ob man das so sicher sagen kann? Man könnte ja alle möglichen Szenarien (verschiedenes Recht gekoppelt mit verschiedenen Moralvorstellungen) durchspielen, aber die Gedanken mach ich mir jetzt auch nicht... ;)

  • Was genau sind Extrembeispiele denn? Mal sehen. Extrembeispiele sind normalerweise Beispiele, die so unwahrscheinlich oder praktisch nahezu unmöglich zu klären oder zu lösen sind, dass diese ein damit zu testendes System immer an den Rand oder direkt in die Unlösbarkeit bringen.


    Extrembeispiele sind zwar zum Testen aber nicht zum Beurteilen eines Systems geeignet, deshalb sind es ja Extrembeispiele. Jedes Wirtschaftssystem geht zugrunde, wenn z.B. über mehrere Jahre hinweg Ernteausfälle weltweit auftreten und die Bevölkerung verhungert. Das kann aber nunmal nicht zur Beurteilung eines Systems herangezogen werden und macht somit eigentlich keinen Sinn, es überaupt dafür durchzusprechen. Gleiches trifft beim Beispiel Abtreibung zu. Dieses Problem ist einfach nicht für alle zufriedenstellend lösbar und sagt am Ende rein gar nichts über den Rest einer Philosophie oder eines Systems aus.

  • Frau Marschner, eines habe ich noch nicht verstanden: Warum Sie einen Rechtskonflikt erkannt haben wollen. Kann ein menschliches Leben (falls Sie ein Ungeboreres als solches bezeichnen, ansonsten ist die Frage hinfällig) so wenig wert sein, dass man es aufgrund niedrigerer Beweggründe (Mutter nicht in Lebensgefahr) opfern darf?

    Der Konflikt besteht zwischen dem Selbsteigentumsrecht der Frau und dem Recht des Kindes auf Leben. Das Bestimmungsrecht über den eigenen Körper und was mit ihm geschieht, ist das stärkste Abwehrrecht gegen den Staat, das wir kennen.


    Anmerkung: Libertäre wie Rothbard beziehen sich beim Selbsteigentum auf John Locke: "Though the earth and all inferior creatures be common to all men, yet
    every man has a "property" in his own "person." This nobody has any
    right to but himself." Two Treatises on Government, Book II, Chapter 5, § 26

  • Zitat

    Dieses Problem ist einfach nicht für alle zufriedenstellend lösbar und sagt am Ende rein gar nichts über den Rest einer Philosophie oder eines Systems aus.


    Das Problem "Welches Wirtschaftssystem" ist auch nicht für alle zufriedenstellend lösbar und dennoch präferieren Libertäre ein möglichst freies. Und Abtreibung ist sicherlich kein Extrembeispiel, es passiert immerhin millionenfach...



    Zitat

    Der Konflikt besteht zwischen dem Selbsteigentumsrecht der Frau und dem Recht des Kindes auf Leben.


    Ist das Kind also aus Ihrer Sicht gleichzeitig Eigentum der Mutter UND ein menschliches Wesen mit Rechten? Ist es nicht libertäre Sicht, dass Eigentum keine Rechte besitzt? Und wenn ein Mensch Eigentum ist, handelt es sich dabei dann nicht um einen Sklaven?

  • Also Björn, erstens hab das mit dem Eigentum nur ich gebracht, mit einem vorangestellten "in gewisser Weise". Zweitens ist dies genau eines der Extrembeispiele, die niemals von staatlicher Seite zufriedenstellend gelöst werden kann. Eine Lösung, wie du sie gerne hättest, verletzt die Rechte der Mutter an ihrem Körper und gibt dem Staat die direkte Verfügungsgewalt über den Körper der Mutter. Eine Abtreibung verletzt die Rechte des Kindes, wobei man diese Rechte nicht genau definieren kann und auch nicht den Zeitpunkt, ab wann diese Rechte denn genau gelten. Und wenn man Rechte definiert und zugesteht, entstehen daraus auch gleichzeitig Pflichten und Verantwortung. Das Ganze dreht sich unendlich im Kreis.

  • Ist das Kind also aus Ihrer Sicht gleichzeitig Eigentum der Mutter UND ein menschliches Wesen mit Rechten? Ist es nicht libertäre Sicht, dass Eigentum keine Rechte besitzt? Und wenn ein Mensch Eigentum ist, handelt es sich dabei dann nicht um einen Sklaven?

    Solange, wie das Wesen in meinem Körper NICHT OHNE MEINEN Körper leben kann (was bis zur SSW26 der Fall is), ist es ein Teil von mir und kein eigenes Individuum. Es ist mein Körper.


    Ich lasse mir nicht in meinen Körper reinreden, schon gar nicht vom Staat, fremden Menschen, Geistlichen und vorallem nicht von Männern, die bei diesem Thema mal ganz ruhig sein sollten!


    Daher finde ich es mehr als gut, dass die pdv sich nicht auf eine Seite stellt.

  • "niedrigerer Beweggründe (Mutter nicht in Lebensgefahr) opfern darf?"
    Was ist mit folgendem Extrembeisiel: Ich erwarte ein schwerstbehindertes Kind. Ich will seine Qualen verhindern.Außerdem befürchte ich, daß sich nach meinem Tod keiner mehr entsprechend um das Kind kümmert.Treibe deshalb ab. Wo sind da die niederen Beweggründe.Ich bringe das Kind lieber um als es so einem Leben auszusetzen.Das ist keine staatlich regulierbare Entscheidung, das muß jeder vor sich selbst verantworten, egal ob erlaubt oder nicht.Abrteibung aus solchen Gründen ist gesetzlich erlaubt. Das ist m.E.(ob das PdV Meinung ist oder nicht weiß ich nicht) genauso "Mord"(m.E.Beginnt das Leben des Kindes mit der Vereinigung von Ei und Samenzelle) obwohl es das Gesetz erlaubt.Also wie soll ein Gesetz da weiterhelfen und wieso soll der Staat und nicht die Mutter eine solche Entscheidung treffen.Wir hatten diese Diskussion mit Thomas Rettig im internen Forum bis zum Abwinken.Der Staat soll sich da raushalten.


    "Solange, wie das Wesen in meinem Körper NICHT OHNE MEINEN Körper leben kann (was bis zur SSW26 der Fall is), ist es ein Teil von mir und kein eigenes Individuum. Es ist mein Körper."
    Gutes Argument Ramona, wieder was dazugelernt.