• Soll es einen Zusammenschluss geben? 14

    1. Ja (0) 0%
    2. Nein (11) 79%
    3. Kann, muss aber nicht (3) 21%

    Hiermit schlage ich vor, den deutschen Sprachraum zu einem gemeinsamen Staat zu einigen. Das betrifft die Staaten Deutschland, Österreich und Lichtenstein, sowie die deutschsprachigen Regionen der Schweiz und Südtirol. Die Forderung sollte dann ins Parteiprogramm übernommen werden.

  • Wozu soll das denn gut sein?
    Mich wundert das bei deiner Aufzählung zwar das luxemburgische (edit: von mir gemeint ist das moselfränkisch) aufgeführt wird, aber die anderen niederdeutschen Mundarten (Niederlande und Flamen/Belgien) in deiner Aufzählung fehlen...
    eine weitere Frage:
    Dürfen sich die sorbischen Sprachgebiete als westslawischer Dialekt dann Polen anschliessen? Müssen nichtsorbische Sprecher dann umziehen? :dash: Wie hälst du es mit den Friesen und Dänen in Deutschland, den rätoromanischen Sprechern in der Deutschschweiz oder den ladinisch sprechenden Menschen in Südtirol?


    Sprache ist schon herrlich um sich zu verständigen. Als Definitionsgrundlage für politische Grenzen aber absoluter Unsinn.

  • Abgesehen von Holger Oefts Erklärung, warum die Sprache (insbesondere eine Obergruppe wie "Deutsch".) ein schlechtes Merkmal für Staatsgrenzen ist, wird sich wohl in der PDV keine Mehrheit finden, die größere Staaten haben will.


    Würde man die Idee auf einzelne Akzente runterbrechen, wäre das als Grundlage für Staatendefinitionen zwar immernoch unsinn und schwer praktikabel, aber in Bayern würde man dem Kommunalprinzip der PDV schon relativ nahe kommen :)

  • Zitat

    Mich wundert das bei deiner Aufzählung zwar das luxemburgische

    In Luxemburg wird Deutsch gesprochen

    Zitat

    aber die anderen niederdeutschen Mundarten (Niederlande und Flamen/Belgien) in deiner Aufzählung fehlen...

    Niederländisch ist kein deutscher Akzent sondern eine eigene Sprache, auch wenn mit Deutsch verwandt.
    Sorben und Dänen leben als Minderheit in deutschem Sprachgebiet, ist also was anderes, denn Deutsch ist z.B. in Österreich keine Minderheitensprache.

    Zitat

    Sprache ist schon herrlich um sich zu verständigen. Als Definitionsgrundlage für politische Grenzen aber absoluter Unsinn.

    Die PDV bekennt sicht doch zu den Werten der Aufklärung. Und Nationalstaatlichkeit (nicht zu verwechseln mit Nationalismus) ist eine Idee der Aufklärung: Die Staatsgrenzen der Herrscherhäuser waren willkürlich und änderten sich oft durch Verkauf, Tausch und Vererbung. Die modernen Staaten sollten sich hingegen an Nationen orientieren, deshalb heißt Demokratie ja auch Volksherrschaft. Dazu erinnere ich an die deutsche Bürgerrechtsbewegung im 19. Jahrhundert, die individuelle Freiheit UND nationale Einheit forderte.

  • In Luxemburg wird Deutsch gesprochen

    Richtig, es ist eine Amtssprache - wieso fehlt Luxemburg dann in deiner Liste? Die deutschen Anteile des moselfränkischen Sprachgebietes sind ja offensichtlich includiert. Dein Voschlag ist ja die Vereinigung des deutschen Sprachgebietes.


    Zitat

    Niederländisch ist kein deutscher Akzent sondern eine eigene Sprache, auch wenn mit Deutsch verwandt

    das ist Definitionssache, die wie bei jeder lebendigen Sprache üblich vom Standpunkt des Hörers abhängt. Niederländer und Schleswiger könnten sich wahrscheinlich besser verstehen als Schleswiger und alemannische Sprecher.




    Zitat


    Sorben und Dänen leben als Minderheit in deutschem Sprachgebiet, ist also was anderes, denn Deutsch ist z.B. in Österreich keine Minderheitensprache.

    Genau richtig, daran erkennt man wie absurd Sprache als Definitionsgrundlage für politische Grenzen ist. Sprache ist ein subjektives Medium um Informationen zu transportieren und zu artikulieren. Du könntest genauso gut alle Playstationbesitzer als Defintionsgrundlage für deinen Staat erklären. Der (Un)Sinn bleibt der selbe.



    Zitat


    Die PDV bekennt sicht doch zu den Werten der Aufklärung. Und Nationalstaatlichkeit (nicht zu verwechseln mit Nationalismus) ist eine Idee der Aufklärung: Die Staatsgrenzen der Herrscherhäuser waren willkürlich und änderten sich oft durch Verkauf, Tausch und Vererbung. Die modernen Staaten sollten sich hingegen an Nationen orientieren, deshalb heißt Demokratie ja auch Volksherrschaft. Dazu erinnere ich an die deutsche Bürgerrechtsbewegung im 19. Jahrhundert, die individuelle Freiheit UND nationale Einheit forderte.

    Es gibt in der Geschichte keinen einzigen Staat der sich je so gegründet hat.


    Das Deutsche ist übrigens eine sehr schöne Sprache:
    Das Wort Volk (bezug zu deiner angesprochenen Volksherrschaft) meint ursprünglich nur folgen (dem Anführer, der Sippe, dem Stamm oder dem Banner), völlig egal wer dieser jemand war. Wichtiger war die persönliche Gefolgschaftstreue. (Bsp Schlacht auf den katalaunischen Felder: Ostgoten massakrierten sich mit Westgoten, Burgunder mit Burgundern etc - Das Volk war ein sehr persönlicher Begriff. Daher auch "Bann"/im "Bann stehen" oder "verbannen" - gemeint ist die persönliche Treue und Loyalität via "Vertrag" zum Anführer der bei vertragsbruch aufgehoben werden konnte, egal wer oder woher dieser jemand kam.


    Genauso der Begriff "Frieden" von einfrieden/abstecken und "Krieg" von kriegen (im Sinne von nehmen). Beides sind Begriffe die sich mit Eigentum und dessen Schutz auseinandersetzen.
    .


    Demokratie bezieht sich im übrigen nicht auf das gesamte Volk oder die Volksherrschaft im heutigen Sinne (das wäre Ethnos), sondern auf die Demos der jeweiligen Polis- der griechischen Stadtstaaten und Gemeinschaften, indem nur eine kleine Minderheit überhaupt den Demos ausmachte (ganz ähnlich wie heute übrigens).

  • 1. Ich habe Luxemburg vergessen aufzuzählen


    2. Unabhängig von der ursprünglichen Bedeutung des Wortes bedeutet Volk für mich eine Gemeinschaft mit gleicher Sprache und Kultur.


    3. Da die Interessen der Menschen unterschiedlich sind ist es natürlich sinnlos sie nach Playstationspieler, Fussballfans etc. zu unterscheiden, erst recht territorial. Bei einer Nation ist das anders, das ist eine Gemeinsamkeit der großen Mehrheit einer geographisch geschlossenen Gemeinschaft und somit als Grundlage eines Staates geeignet.


    4. Deutschland und Italien sind auf dieses Prinzip gegründet.

  • Da die Interessen der Menschen unterschiedlich sind ist es natürlich sinnlos sie nach Playstationspieler, Fussballfans etc. zu unterscheiden, erst recht territorial. Bei einer Nation ist das anders, das ist eine Gemeinsamkeit der großen Mehrheit einer geographisch geschlossenen Gemeinschaft und somit als Grundlage eines Staates geeignet.

    Aus dem selben Grund (unterschiedliche Interessen) ist es auch unsinnig Individuen irgendwie zusammen zu zwingen.
    Sie würden sich sicherlich freiwillig zu Gemeinschaften zusammenfinden und auch gemeinsame Regeln und Gesetzte akzeptieren, um miteinander auszukommen, eine Zwangseinteilung entzieht ihnen aber ihre Flexibilität.
    Die Sprache scheint ein gutes Merkmal zu sein, weil sie für die Kommunikation sehr wichtig ist. Da sich Sprache aber entwickelt und auch auseinanderentwickelt hat, ist sie faktisch wohl eher schlecht.
    Eine Gemeinsamkeit ist nun mal noch lange kein sinnvolles Kriterium und sei es auch noch so ein wichtiges (wie es die Sprache zweifellos ist).
    Einzig freiwillige Zusammenschlüsse lassen den Menschen ihre Freiheiten (was Unzufriedenheit und Unruhen quasi ausschließt) und bleiben daher stabil (man muss nicht gegen die Gemeinschaft rebellieren, sondern kann auch einfach gehen).

  • Schräge Umfrage...


    Um mal die Band "Enter Shikari" zu zitieren: "Countries are just lines, drawn in the sand with a stick".


    Das einzig sinnvolle im Sinne einer "echten" Demokratie (Demos = Dorf) ist der Schwerpunkt der
    Verwaltung in den Kommunen, von daher klares "Nein." !

  • Erstens gibt es immer noch keine Stellungnahme zu der Tatsache, dass der Nationalstaat von Aufklärern erdacht wurde,


    zweitens, dann müsst ihr folgerichtig die Wiedervereinigung und den Anschluss des Saarlandes ablehnen,


    und drittens lehnt die pdv die Bundesebene nicht ab, sondern will die Aufgaben von unten nach oben verteilen, somit stellt sich dann auch die Frage, ob das jetzige Bundesgebiet nicht auch willkürlich ist, und wie Staatsgrenzen stattdessen verlaufen sollten.

  • Dass der Nationalstaat von Aufklärern erdacht wurde kann schon stimmen, er wird aber regelmäßig von Machteliten unterwandert und die Bürger dann schamlos ausgenutzt. Und das funktioniert ja genau dann immer sehr gut, wenn eine große Anzahl Leute unter einer Regierung stehen. Wir sind grundsätzlich für den Staat BRD, haben aber auch nichts dagegen, wenn ein Bundesland oder auch nur ein einzelnes Dorf sezessionieren würde. (Das ist nämlich deren gutes Recht. Immer und jederzeit. Egal wo.) Wir vertreten die Ansicht, dass gerade kleinere Strukturen effizienter funktionieren, deshalb ja die Forderung nach direkter Demokratie.


    Staaten kommen und gehen im Verlauf der Geschichte...

  • Grundsätzlich darf nach unserem Konzept jede Region selbst abstimmen, ob sie einem solchen Staat beitreten will oder nicht. Das hat also nicht die pdv zu entscheiden. Sondern die Bürger einer Region müssten sich für ein Referendum einsetzen. Das Thema war schonmal auf einer PDV-Veranstaltung:

  • zweitens, dann müsst ihr folgerichtig die Wiedervereinigung und den Anschluss des Saarlandes ablehnen,

    Solche Ereignisse hängen immer ganz stark von der Ausgangssituation und der Zielsituation ab.
    Diese Gebiete wechselten von einem anderen Staat (der über sie herrschte) zu diesem (zurück).
    Grundsätzlich hätten sie sich aus meiner Sicht gerne selbstständig machen können, das wäre aber wohl aus politischen Gründen nicht sehr leicht möglich gewesen (vllt auch von der Bevölkerung garnicht gewollt).
    Unabhängig von dem Beitritt einiger Bundesländer, kann man die Organisationsstruktur der BRD grundsätzlich ablehnen.


    und drittens lehnt die pdv die Bundesebene nicht ab, sondern will die Aufgaben von unten nach oben verteilen

    Nein, das wäre auch Grundgesetzwidrig.
    Es kommt darauf an, was "unten" und was "oben" heißt. Wenn der Bund "oben" ist und die Kommunen "unten", dann ist diese Aussage falsch. In den Kommunen sollen die Entscheidungen (welche nicht den Individuen zufallen) getroffen werden. Falls nötig kann das dann zum Bund deligiert werden (so könnte man das von "unten" nach "oben" natürlich auch verstehen).


    ob das jetzige Bundesgebiet nicht auch willkürlich ist, und wie Staatsgrenzen stattdessen verlaufen sollten.

    Es hat sich geschichtlich entwickelt und ist heute nunmal so.
    Willkürlich ist es m.E. aber tatsächlich. Das liegt aber daran, dass Staaten und somit auch deren Gebiete nur Gedankenkonstrukte sind.
    Würden die Menschen morgen komplett vom diesem Planten verschwinden, gäbe es keine Staaten mehr.
    Somit muss notwendigerweise jedes festgelegte Gebiet willkürlich sein (Geografische und geschichtliche Gründe mal aussen vor gelassen).
    Ein freiwilliger Zusammenschluss der Menschen braucht sich dieser Fragestellung garnicht zu stellen, denn es gibt kein definiertes Gebiet. Es entsteht erst durch den Zusammenschluss.

  • Zitat

    Wir sind grundsätzlich für den Staat BRD, haben aber auch nichts dagegen, wenn ein Bundesland oder auch nur ein einzelnes Dorf sezessionieren würde. (Das ist nämlich deren gutes Recht. Immer und jederzeit. Egal wo.)

    das könnte für die freie Wirtschaft schlecht sein wenn die Kommunen alles selbst bestimmen können: Zölle, Bürokratie, Auflagen. Denn man darf 1. nicht davon ausgehen, dass in den Stadträten überall eine PDV-FDP-Koalition regiert, 2. dass den Bürgern umfassende Mitbestimmung gewährt wird und 3. Die Bürger mehrheitlich gegen Interventionen stimmen. Weil sie es nicht besser wissen, könnten die Kommunen Schutzzölle einführen, um regionale Arbeitsplätze zu schützen oder zu schaffen. Auf diese Weise erlebt dann der gesamte deutsche Wirtschaftsraum eine neue Pervertierung.

  • "Weil sie es nicht besser wissen, könnten die Kommunen Schutzzölle einführen, um regionale Arbeitsplätze zu schützen oder zu schaffen. Auf diese Weise erlebt dann der gesamte deutsche Wirtschaftsraum eine neue Pervertierung. "


    Kannst du das noch genauer erläutern bzw. logisch begründen? Also warum ist es schlecht wenn die Kommunen selbst entscheiden dürfen?

  • Bevor man sich fragt, welche Ebene etwas entscheidet, stellt sich die Frage, was zur Entscheidung stehen soll. Wir alle in diesem Forum stimmen darin überein "so wenig Staat wie möglich". Staatsintervention soll nicht auf eine andere Ebene verlagert werden, sondern garnicht mehr stattfinden.


    In einem Staat besteht Freihandel im gesamten Staatsgebiet. Das ist gut. Die Kommunen dürfen keine Verordnungen erlassen, die dem Freihandel und der Freizügigkeit zuwiderlaufen. Das ist gut, sind doch zumindest diese beiden wichtigen Komponenten freier Wirtschaft zumindest für das Staatsgebiet gewährleistet. Wenn aber jede Kommunalverordnung Bundesgesetze brechen kann, wird das gesamte Bundesgebiet von Wirtschaftsbeschränkungen verseucht. Beispiel: Die Stadt Köln verbietet die "Einfuhr" von Waren, die auch in Köln hergestellt werden können.


    Bezüglich der schrecklichen Folgen von Zöllen empfehle ich dir die Werke von Frederic Bastiat, wird aber bestimmt in etlichen anderen Schriften des liberalen Lagers thematisiert.

  • Ganz ehrlich: Wer das macht, soll sehen, wie er mit den Konsequenzen zurecht kommt. Und dann wird da ganz schnell Einsicht kommen, wenn andere Kommunen diese Zölle nicht haben und aufblühen. Die Konkurrenz unter den Kommunen würde die Sache schon regeln.

  • Vielleicht ist es auf kommunaler Ebene tatsächlich leichter zu erkennen.Aber wenn ich an Gewerkschaften, Subventionen, Mindestlohn und sozialpolitischen Wohltaten denke, die bei den Leuten so viel Anklang finden, muss man sagen, dass ihre negativen Auswirkungen anscheinend nicht erkannt werden.


    Und außerdem ist mir noch was eingefallen. Wo wurde die PDV denn gegründet? In Hambach. Und zwar nicht zufällig. Hier sind wir wieder bei der deutschen Bürgerrechtsbewegung des 19. Jh., zu der sich die PDV ja dann offensichtlich bekennt, und zu der auch die Forderung zu nationaler Einheit gehört. Oder haben die Teilnehmer des Wartburg- und Hambacher Festes etwas nicht schwarz-rot-goldene Fahnen getragen? Und waren diese Farben nicht auch die der Burschenschaften und der Paulskirchenversammlung?

  • Ich glaube nicht, dass die Parteigründung dort erfolgte, weil man sich zum Hambacher Fest bekennen wollte. Eher, weil man große Veränderungen vor Augen hat, genau wie damals. Den Hintergedanken bei der Ortswahl kenn ich aber ehrlich gesagt nicht, ist also nur ne Vermutung.


    Ja, dass die Menschen es momentan nicht erkennen liegt einfach an der Art, wie das System alles verschleiert. Nimm den Schleier (Quersubventionen und Verwaltungsvorschriften) weg und alle merken sofort, was ihnen eine Anderung der aktuellen Gegebenheiten kostet oder spart.

  • »Mir ist nicht bange,« sagte Goethe, »daß Deutschland nicht eins werde; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das ihrige tun. Vor allen aber sei es eins in Liebe untereinander, und immer sei es eins gegen den auswärtigen Feind. Es sei eins, daß der deutsche Taler und Groschen im ganzen Reich gleichen Wert habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle sechsunddreißig Staaten ungeöffnet passieren könne. Es sei eins, daß der städtische Reisepaß eines weimarischen Bürgers von dem Grenzbeamten eines großen Nachbarstaates nicht für unzulänglich gehalten werde, als der Paß eines Ausländers. Es sei von Inland und Ausland unter deutschen Staaten überhaupt keine Rede mehr. Deutschland sei ferner eins in Maß und Gewicht, in Handel und Wandel und hundert ähnlichen Dingen, die ich nicht alle nennen kann und mag.


    Wenn man aber denkt, die Einheit Deutschlands bestehe darin, daß das sehr große Reich eine einzige große Residenz habe, und daß diese eine große Residenz, wie zum Wohl der Entwickelung einzelner großer Talente, so auch zum Wohl der großen Masse des Volkes gereiche, so ist man im Irrtum.
    Man hat einen Staat wohl einem lebendigen Körper mit vielen Gliedern verglichen, und so ließe sich wohl die Residenz eines Staates dem Herzen vergleichen, von welchem aus Leben und Wohlsein in die einzelnen nahen und fernen Glieder strömt. Sind aber die Glieder sehr ferne vom Herzen, so wird das zuströmende Leben schwach und immer schwächer empfunden werden. Ein geistreicher Franzose, ich glaube Dupin, hat eine Karte über den Kulturzustand Frankreichs entworfen und die größere oder geringere Aufklärung der verschiedenen Departements mit helleren oder dunkleren Farben zur Anschauung gebracht. Da finden sich nun besonders in südlichen, weit von der Residenz entlegenen Provinzen, einzelne Departements, die in ganz schwarzer Farbe daliegen, als Zeichen einer dort herrschenden großen Finsternis. Würde das aber wohl sein, wenn das schöne Frankreich statt des einen großen Mittelpunktes zehn Mittelpunkte hätte, von denen Licht und Leben ausginge?


    Wodurch ist Deutschland groß als durch eine bewundernswürdige Volkskultur, die alle Teile des Reichs gleichmäßig durchdrungen hat. Sind es aber nicht die einzelnen Fürstensitze, von denen sie ausgeht und welche ihre Träger und Pfleger sind? – Gesetzt, wir hätten in Deutschland seit Jahrhunderten nur die beiden Residenzstädte Wien und Berlin, oder gar nur eine, da möchte ich doch sehen, wie es um die deutsche Kultur stände, ja auch um einen überall verbreiteten Wohlstand, der mit der Kultur Hand in Hand geht!
    Deutschland hat über zwanzig im ganzen Reich verteilte Universitäten und über hundert ebenso verbreitete öffentliche Bibliotheken, an Kunstsammlungen und Sammlungen von Gegenständen aller Naturreiche gleichfalls eine große Zahl; denn jeder Fürst hat dafür gesorgt, dergleichen Schönes und Gutes in seine Nähe heranzuziehen. Gymnasien und Schulen für Technik und Industrie sind im Überfluß da, ja es ist kaum ein deutsches Dorf, das nicht seine Schule hätte. Wie steht es aber um diesen letzten Punkt in Frankreich!
    Und wiederum die Menge deutscher Theater, deren Zahl über siebenzig hinausgeht und die doch auch als Träger und Beförderer höherer Volksbildung keineswegs zu verachten. Der Sinn für Musik und Gesang und ihre Ausübung ist in keinem Lande verbreitet wie in Deutschland, und das ist auch etwas!


    Nun denken Sie aber an Städte wie Dresden, München, Stuttgart, Kassel, Braunschweig, Hannover und ähnliche; denken Sie an die großen Lebenselemente, die diese Städte in sich selber tragen; denken Sie an die Wirkungen, die von ihnen auf die benachbarten Provinzen ausgehen, und fragen Sie sich, ob das alles sein würde, wenn sie nicht seit langen Zeiten die Sitze von Fürsten gewesen?
    Frankfurt, Bremen, Hamburg, Lübeck sind groß und glänzend, ihre Wirkungen auf den Wohlstand von Deutschland gar nicht zu berechnen. Würden sie aber wohl bleiben, was sie sind, wenn sie ihre eigene Souveränität verlieren und irgendeinem großen deutschen Reich als Provinzialstädte einverleibt werden sollten? – Ich habe Ursache, daran zu zweifeln.«


    - Goethe, 23. Oktober 1828