Goldwährung- Deflation- Rezession

  • Ich habe vor einiger Zeit "Segen und Fluch des Geldes" von Fritz Schwarz gelesen.


    Dort behauptet er, dass eine Goldwährung immer zum scheitern verurteilt ist, weil ja irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem das im Land vorhandene Gold den gleichen Wert hat, wie die bis dahin gewachsene Wirtschaft. Wächst die Wirtschaft dann noch weiter, gibt es zu wenig Gold, um die Waren aufzukaufen die es nun gibt. Dies führt zu einer Flucht des Goldes aus der Warenproduktion/Wirtschaft, weil dann jeder auf weiter steigenden Goldwert spekuliert. Dadurch will dann auch keiner mehr investieren und Waren produzieren, weil sie nicht mehr gekauft werden. So kommt es zur Rezession.


    Seiner Ansicht nach, sollte ständig etwas mehr Geld in den Markt gepumpt werden, als es der Wirtschaftsleistung entspräche, um die Wirtschaft anzukurbeln. Da Gold begrenzt ist, sei Papiergeld die bessere Wahl.



    Im alten Römerreich war es ja so, dass sie zum Imperialismus gezwungen waren, weil sie ständig Goldzufluss brauchten, um diesen Punkt, an dem das Geld mehr Wert ist als die Waren zu vermeiden.


    Wie vermeidet man dieses Problem ? Würde es ohne Staatliches Geldmonopol nicht trotzdem zu diesem negativen Umschwung der Wirtschaftsleistung kommen ?

    Gerechtigkeit verlangt Ungleichheit als eine Bedingung von Freiheit und als ein Mittel, jeden zu belohnen entsprechend seiner Verdienste und Leistungen.

  • Fritz Schwarz kommt aus der "liberalsozialistischen Ecke" der Freiwirtschaftler um Silvio Gesell.
    Gesell´s Model der Freiwirtschaft (sozialistischer Anarchismus) und das oft damit in Verbindung stehende Geldverständnis hat meiner Meinung einige grundlegende Denkfehler in Bezug auf Wert und Transformation von Geldeigenschaften und Wert.


    Er hängt sehr an statischen Werten fest und versucht den durch technischen Fortschritt und damit den Wertzuwachs von Geld, durch Erhöhung von Kaufkraft, durch Inflationierung konstant zu halten. Ein Denkfehler, der dann zu Aussagen führt, das immer etwas mehr Geld eingepumpt werden muss (?woher soll "Geld" eingepumpt werden? - er meint hier sehr wahrscheinlich die keaynsianische Wunderheilung - Kreditschöpfung aus dem Nichts). Problem bei Deflation ist ja, den Menschen zu erklären, das ihre Löhne nun nominal sinken müssen, da ja die Kaufkraft gestiegen ist. Inflationierung löst dieses Problem scheinbar.


    Bei freien Markt, entwickelt auch Gold immer entsprechend mehr Wert, je nachdem wie groß die Wirtschaftsleistung steigt. Das Problem, das Menschen Gold horten könnten, da der Wert ja kontinuierlich steigt und sich die zeitlichen Präferenzen der Marktteilnehmer dadurch verändern könnten. Dies würde dann eine Rezession verursachen. Allerdings funktioniert Marktgeld so nicht. Präferenzen könnten sich zwar verschieben, allerdings wird es immer Bedürfnisse geben.


    Rahim Taghizadegan hatte sich in seinem Buch "Wirtschaft wirklich verstehen" ausführlicher mit dieser Auffassung beschäftigt.


  • Im alten Römerreich war es ja so, dass sie zum Imperialismus gezwungen waren, weil sie ständig Goldzufluss brauchten, um diesen Punkt, an dem das Geld mehr Wert ist als die Waren zu vermeiden.


    Wie vermeidet man dieses Problem ? Würde es ohne Staatliches Geldmonopol nicht trotzdem zu diesem negativen Umschwung der Wirtschaftsleistung kommen ?


    Die römische Republik und später das römische Kaisertum war ein Produkt seiner Zeit. Kriege und Imperialismus in dieser Zeit hatten sehr viele Günde und Ursachen. Das damalige Geldsystem war meiner Meinung aber der unwichtigere Grund (zumal Rom erst spät Goldmünzen prägte - Silber und Bronze waren gebräuchlicher). Durch Krieg und Eroberung liesen sich aber relativ einfach Reichtümer "kriegen" ohne sie durch Arbeit und Kauf zu erwerben. Es war ökonomischer eine relativ kleine Armee (zu Höchstzeiten lediglich ca 1 Million Mann (Sollstärke zwischen 300.000 und 480.000) für das gesamte römische Imperium (bei 60 bis 80 Millionen Einwohner) zu unterhalten als durch friedliche Wirtschaftskraft zu wachsen.


    Es wurde aber ebenfalls schon probiert durch Münzstreckung mit unedleren Metallen Geld aus dem Nichts zu erzeugen.


    Ein gutes Buch zum Thema http://thorstenpolleit.com/TPMvPNov10-II.pdf

  • Würde es ohne Staatliches Geldmonopol nicht trotzdem zu diesem negativen Umschwung der Wirtschaftsleistung kommen ?



    Das ist die klassische Angst vor Deflation, die Hauptargument der Papiergeldbefürworter ist. Diese Angst ist aber völlig unbegründet, unlogisch und hat sich historisch als falsch erwiesen.
    Nur weil Preise langsam fallen heißt das nicht dass niemand mehr etwas kauft. Wenn ich jetzt Hunger habe und Bock auf eine Salami Pizza für 5 Euro, dann kaufe ich sie jetzt und nicht in 3 Monaten nur weil sie dann 4,95 Euro kostet. Wenn ich mir den neusten Actionfilm im Kino angucken will, dann gucke ich ihn jetzt und nicht erst in 3 Monaten, da läuft er nämlich garnicht mehr und wenn ich mit dem Zug zur Arbeit muss, dann kaufe ich das Ticket jetzt und nicht in 3 Monaten weil ich bis dahin schon längst gefeuert wurde weil ich nie am Arbeitsplatz aufgetaucht bin... Gleiches gilt natürlich auch für größere, teure Sachen wie Autos oder Häuser
    Wenn ich einen Sportwagen haben will, dann werde ich auch nur eine begrenzte Zeit warten bis der Preis gefallen ist, denn irgendwann will ich das Auto ja auch mal genießen können und nicht immer nur warten bis ich 80 bin nur weil Sportwagen dann die Hälfte kosten.


    Und ich habe absichtlich einen kleinen Fehler am Anfang gemacht: Ich habe das Wort Deflation mit Preisverfall gleichgesetzt wie es die Mainstreamökonomen tun. Deflation bedeutet aber eigentlich nur Abnahme der Geldmenge. Die Menge des Goldes das in der Wirtschaft zirkuliert würde aber nicht abnehmen sondern gleich bleiben und bis ca. 2050 sogar langsam zunehmen (wegen Goldminen)
    Preissenkungen sind nur eine mögliche Folge von Deflation, also einer abnehmenden Geldmenge. Ein Symptom dass praktisch mit 100% Wahrscheinlichkeit eintritt wenn nichts anderes entgegenwirkt.
    Wenn Preise trotz gleichbleibender oder sogar steigender Geldmenge sinken, dann nicht wegen Deflation sondern wegen steigender Produktivität der Gesellschaft. Mainstreamökonomen setzen leider fallende Preise durch Produktivitätssteigerung (das beste was passieren kann!) mit sinkender Geldmenge gleich, was komplett falsch ist.
    Hier ist ein gutes Video dazu wenn du gut Englisch verstehst.

    Zitat

    Im alten Römerreich war es ja so, dass sie zum Imperialismus gezwungen
    waren, weil sie ständig Goldzufluss brauchten, um diesen Punkt, an dem
    das Geld mehr Wert ist als die Waren zu vermeiden.

    Die Römer waren nie dazu gezwungen Land zu erobern um mehr Geld für ihre Wirtschaft zu bekommen. Das hatte mehr mit ihrer Kultur zutun. Römische Soldaten wurden nach erfüllter Dienstzeit mit einem Stück Land belohnt. Dieses Land mussten die Soldaten natürlich vorher erobern.

  • Die Menge des Goldes das in der Wirtschaft zirkuliert würde aber nicht abnehmen sondern gleich bleiben und bis ca. 2050 sogar langsam zunehmen (wegen Goldminen)

    Sehr wahrscheinlich.
    Aber selbst der unwahrscheinliche Fall, dass Gold stark gehortet würde, wäre kein Problem.
    Denn um das Gold zu bekommen, müsste man Leistung erbringen, wenn man dann das Mittel nicht wieder in Leistung umtauscht, ist das eine Art "Geschenk" für alle anderen der Gesellschaft, denn für diese steht nun die zusätzliche/nicht eingetauschte Leistung zur Verfügung. Oder anders: Wenn Gold vom Kreislauf entfernt wird, wird das Gold, dass sich noch im Kreislauf befindet, mehr Wert.
    Das wird die Zeitpräferenz, wie von dir beschrieben nicht sehr stark verändern, aus den von dir beschriebenen Gründen, nützt aber dennoch allen. Kommt das Gold wieder in den Kreislauf, sinkt der Wert natürlich wieder entsprechend aufs "Normalniveau".

  • Wow, hier wird es geschichtlich.^^
    Ich liebe die Antike und das Beispiel mit dem römischen Geldwesen ist sehr gut und anschaulich. Die späteren römischen Kaiser mussten ihr überdehntes Reich, nach dem Einfall der Barbaren, irgemdwie weiterfinanzieren. Da jedoch immer mehr Land und damit Steuereinkommen abhanden kam, waren sie gewzungen den Münzwert abzusenken, durch Beimischung von weniger wertvollen Metallen. Inflation durch staatlichen Eingriff gab es schon in der Antike.
    Die PdV will aber kein staatliches "Zwangsgeldsystem", selbst wenn es auf Gold basieren würde. Sondern "Marktgeld". Also Geld welches am freien Markt entsteht. Dieses "freie Geld" (entnationalisiertes Geld) unterliegt keinem Annahmezwang wie unsere heutigen Währungen. Sprich, man kann bestimmte Geldarten/sorten/währungen ablehnen.


    Und wie oben schon erwähnt ist ja gerade gut wenn es zur Deflation kommt, durch Erhöhung der Gütermenge. Dadurch können die Menschen früher in den Ruhestand, müssten weniger Stunden am Tag arbeiten, hätten eine wesentlich höhere soziale Sicherheit durch eigene Rücklagen und wären nicht mehr abhängig von irgendwelchen Pseudosicherungssystem. Die einzigsten die dies nicht wollen sind Sozialisten, Etatisten, Politiker und andere Planwirtschaftler. Schonmal gefragt warum die Gewerkschaftsbosse nicht das Geldwesen kritisieren? Alles nur Systemtrottel wo von selbigen profitieren.


    Wer die Welt zum besseren ändern will muss das Geld entnationalisieren! Freies Marktgeld ist das Grundfundament einer freien Gesellschaft.