Inflation/Deflation

  • Wenn das Geld im Inland nun durch technischen Fortschritt immer mehr Wert wird, braucht ein ,z.b. amerikanischer Investor, dann nicht einfach nur unsere Währung zu kaufen ein bisschen zu warten und sie anschließend für mehr Dollar wieder zu verkaufen? Ich bin kein Experte aber würden wir dabei nicht irgendwie die ausländische Wirtschaft beschädigen?


    Ich habe auch irgendwann einmal einen Beitrag zur künstlichen Inflation in der Schweiz gelesen finde ihn aber nicht mehr, kann mir vielleicht jemand weiterhelfen?


    Wie steht ihr zu dem Thema, dass es einen geringeren Anreiz zum investieren gibt, wenn die Inflation wegfällt?


    Wie sieht es eigentlich mit der Giralgeldschöpfung der Banken aus? Würde die nicht weiter zur Inflation führen oder würde sie verboten werden?


    Eine letzte Frage noch: Hat eine gedeckte Währung eigentlich noch einen anderen Vorteil außer das die Inflation gestoppt wird?

  • Vielleicht eine Gegenfrage:
    Stell dir vor du bist Rentner und hattest jeden Monat deiner vergangen 45 Jahre Arbeitzeit, Kaufkraft im Äquivalent von aktuellen 300,00 € weggespart.
    Was meinst du welche Rente heute besser (wertvoller) ist. Die im deflationierten oder im inflationierten Geldsystem?


    "Wie steht ihr zu dem Thema, dass es einen geringeren Anreiz zum investieren gibt, wenn die Inflation wegfällt?" - Richtig, es würde wahrscheinlich zu keiner künstlichen wirtschaftlichen Blasenbildung mehr kommen, dieser ganze keynsianische und zT. friedmanische Parabelzirkus mit immer neuen Begründungen warum wir gerade in einer Krise sind würde endlich aufhören. Investments würden nach tatsächlichen Erfolgsaussichten getätigt und mit Haftung und Verlustrisiko zu einer gesunden Bewertung kommen. Fehlallokationen von Gütern und Resourcen hätten dann keine so schädliche Auswirkung mehr, wie sie es heute haben.
    Da jeder Mensch unendliche Bedürfnisse hat, wird es auch weiterhin Nachfrage geben. Die Zeitpräferenzen könnten sich zwar verlängern, aber zum Beispiel Computer oder Handy: du wartet auch nicht 5 Jahre auf den nächsten Minidatacenterserver, wenn du jetzt gerade einen neuen Rechner brauchst.


    "Wie sieht es eigentlich mit der Giralgeldschöpfung der Banken aus? Würde die nicht weiter zur Inflation führen oder würde sie verboten werden?" Giralgelschöpfung wäre auch weiterhin erlaubt und möglich, aber du hättest nicht den Zwang diese Zettel anzunehmen wenn du es nicht möchtest. Vielleicht wechselst du einfach in Geld das keine Giralgeschöpfung hat.



    "Hat eine gedeckte Währung eigentlich noch einen anderen Vorteil außer das die Inflation gestoppt wird?" Es kommt darauf von welcher Seite du die Währung diskutierst. Bist du ein Emmitent oder Nutznießer hast du enorme Vorteile durch den Transfer von Wert für weniger Wert.

  • Aber es würde sich doch wahrscheinlich ein System entwickeln indem mein Geldschein einen gewissen Wert z.B. in Gold hat den ich bei einer Bank eintauschen kann. Und wenn die Banken jetzt Giralgeldschöpfung betreiben würde es weiterhin eine Inflation geben und meine einzige Alternative wäre dann direkt den Goldklumpen auf die Theke zu legen.

  • Ich denke, Giralgeldschöpfung würde in einem freien Markt wie Betrug/Diebstahl/Veruntreuung behandelt werden. Mit welchem Recht will eine Bank denn Lagerscheine für ein und den selben Goldbarren an mehrere Leute vergeben?
    Angenommen du bringst einen 10g Goldbarren zur X-Bank und erhälst einen Lagerschein mit der Aufschrift "10g Gold Einlösbar bei der X-Bank". Eine zweite Person kommt und will 10g Gold als Kredit aufnehmen. Die X-Bank gibt ihm nun deinen Goldbarren oder schlimmer noch einen weiteren Lagerschein. Jetzt kommst du zur Bank zurück (oder jemand von dem du etwas mit dem Schein gekauft hast) und willst den Schein einlösen, das Gold ist aber nicht mehr da... Ist das nicht eindeutig Betrug? Die Bank bricht Verträge mit den Haltern der Lagerscheine. :grumble:
    Die Bankkunden müssten vor Gericht eigentlich Recht bekommen und selbst wenn nicht, bleibt immernoch die Möglichkeit betrügerische Banken zu meiden. Ausserdem würden Privatwährungen von Banken mit niedriger Mindestreserve stärker inflationieren als Privatwährungen von Banken mit hoher Mindestreserve. Dieses schlechte Geld würden die Leute dann nicht mehr annehmen.

  • Zitat

    Könnte man hier nicht Klarheit schaffen, indem man die Giralgeldschöpfung per Gesetzt eindeutig als Betrug deklariert?

    Wenn ich mich nicht täusche war es in der Geschichte an einigen Orten auch so (Hamburg, Florenz?). Solange Betrug illegal ist müsste die Giralgeldschöpfung eigentlich automatisch auch illegal sein, aber Regierungen werden bei den Verheißungen des Fiatmoneys schnell schwach wie man sieht und geben den Betrügern dann ihren Segen. Von daher macht es wahrscheinlich Sinn wenn man die Giralgeldschöpfung noch mal extra als Betrug deklariert damit hier auch wirklich alles eindeutig und klar ist.

  • Ich denke, Giralgeldschöpfung würde in einem freien Markt wie Betrug/Diebstahl/Veruntreuung behandelt werden. Mit welchem Recht will eine Bank denn Lagerscheine für ein und den selben Goldbarren an mehrere Leute vergeben?
    Angenommen du bringst einen 10g Goldbarren zur X-Bank und erhälst einen Lagerschein mit der Aufschrift "10g Gold Einlösbar bei der X-Bank". Eine zweite Person kommt und will 10g Gold als Kredit aufnehmen. Die X-Bank gibt ihm nun deinen Goldbarren oder schlimmer noch einen weiteren Lagerschein. Jetzt kommst du zur Bank zurück (oder jemand von dem du etwas mit dem Schein gekauft hast) und willst den Schein einlösen, das Gold ist aber nicht mehr da... Ist das nicht eindeutig Betrug? Die Bank bricht Verträge mit den Haltern der Lagerscheine. :grumble:
    Die Bankkunden müssten vor Gericht eigentlich Recht bekommen und selbst wenn nicht, bleibt immernoch die Möglichkeit betrügerische Banken zu meiden. Ausserdem würden Privatwährungen von Banken mit niedriger Mindestreserve stärker inflationieren als Privatwährungen von Banken mit hoher Mindestreserve. Dieses schlechte Geld würden die Leute dann nicht mehr annehmen.

    In diesem Beispiel ist das natürlich Betrug.
    Dennoch wäre m.E. die Giralgeldschöpfung nicht grundsäztlich Betrug.


    Beispiel:
    Die Y-Bank vergibt Giralgeld mit Teildeckung. Dies schreibt sie auch in die Verträge und weist darauf hin, dass die Scheine zwar bei ihnen einlösbar sind, aber nur solange die Deckung reicht.
    Wer sich dann auf so ein Geschäft einlässt hat selbst schuld. Es ist kein Betrug, nur ein (wahrscheinlich) schlechtes System, dass wohl auch schnell wieder vom Markt verschwinden würde.


    Also muss man es nicht verbieten und es ist auch nicht grundsätzlich Betrug, aber durchsetzen würde es sich wohl auch nicht.

  • In diesem Beispiel ist das natürlich Betrug.
    Dennoch wäre m.E. die Giralgeldschöpfung nicht grundsäztlich Betrug.


    Beispiel:
    Die Y-Bank vergibt Giralgeld mit Teildeckung. Dies schreibt sie auch in die Verträge und weist darauf hin, dass die Scheine zwar bei ihnen einlösbar sind, aber nur solange die Deckung reicht.
    Wer sich dann auf so ein Geschäft einlässt hat selbst schuld. Es ist kein Betrug, nur ein (wahrscheinlich) schlechtes System, dass wohl auch schnell wieder vom Markt verschwinden würde.


    Also muss man es nicht verbieten und es ist auch nicht grundsätzlich Betrug, aber durchsetzen würde es sich wohl auch nicht.


    In diesem Beispiel gäbe es aber auch Betrugsopfer. Die Menschen von denen man etwas mit den Lagerscheinen einkauft.
    Ein Kunde bringt 10g Gold zur Y-Bank. Die Y-Bank legt dem Bankkunden einen Vertrag vor in dem steht dass die Bank 50% des Goldes im Tresor verleiht und die Lagerscheine nur eingelöst werden wenn noch genug Gold im Tresor ist. Sonst geht man leer aus. Der Kunde unterschreibt. Er erhält einen Lagerschein mit der Aufschrift "10g Gold Einlösbar bei der Y-Bank". Er geht damit zum nächsten Geschäft und will Waren für 10g Gold kaufen. Er bietet dem Händler den Lagerschein an und er akzeptiert ihn weil der Schein eindeutig 10g Gold verbrieft. Jetzt geht der Händler zur Y-Bank und will den Schein einlösen aber es ist kein Gold mehr da... Ist der Händler jetzt nicht der Betrogene? Und hat der Bankkunde sich nicht des Betruges mitschuldig gemacht?
    Es gäbe nur eine Möglichkeit wie man das ohne Betrug machen könnte: Die Bank müsste auf die Lagerscheine draufschreiben dass nur 50% der Scheine tatsächlich einlösbar sind, also eindeutig auf die Teilreservepraxis hinweisen. Aber wie soll das mit Buchgeld funktionieren das nur auf dem Papier steht bzw. im Computer? :hmm: